Radkappen/-deckel lackieren

Radzierdeckel, die in der Wagenfarbe lackiert sind, waren bis zum Beginn der 80er Jahre  eine hübsche Spezialität von Mercedes-Benz. Der filigran geprägte Stern macht die Deckel optisch reizvoll, sorgt aber beim Neulackieren meist für Kummer. Durch die Foren geistert immer wieder der Hinweis auf spezielle Lackierschablonen, die aber kaum jemand schon mal gesehen hat; selbst die meisten Lackierer zucken mit den Schultern, wenn sie danach gefragt werden.


Wie man auch auf anderem Weg ein professionelles Ergebnis erzielt, soll hier kurz beschrieben und illustriert werden.
Für einen Deckel kann man ca. 1½ Std. Arbeitszeit rechnen – allerdings ohne die Trocknungspausen.

 

Benötigt werden:

Vorhandene Lackierungen sollte man beibehalten, wenn die Kanten sauber sind; man hats dann beim genauen Abkleben leichter, und die neue Lackschicht haftet besser. Schlechte Lackierung ist ruckzuck mit Nitro-Verdünnung entfernt.

 

Das Grundprinzip ist, die Lackierung in zwei Abschnitten vorzunehmen: zunächst der Außenkreis, dann die Dreiecke innerhalb des Sterns.
Aus dem Papier werden insgesamt drei Schablonen geschnitten. Die jeweiligen Radien nimmt man mit dem Zirkel direkt vom Deckel ab und überträgt sie auf die Ausschnittvorlage.


Die erste deckt den äußeren Metallrand ab. Man schneidet das Papier zunächst so zu, daß es den gesamten Raddeckel abdeckt. Sodann schneidet man zentrisch ein kreisförmiges Loch, das einen etwa 3-4 mm größeren Radius hat als die äußerste Lackkante.
Die zweite dient zur Abdeckung der Lackflächen außerhalb des Sterns. Man schneidet ein Stück Papier ebenso zu wie beim ersten Mal, der Lochkreisradius ist ca 2-3mm größer als der Außenradius des Sterns.


Die dritte deckt den Stern ab. Man wählt den Radius etwa 3mm kleiner als den inneren Sternradius. Sodann schneidet man diesen Kreis radial bis zum Mittelpunkt ein und formt einen Kegel, der der Kontur des Sterns entspricht. Diese Form wird durch Abkleben des Einschnitts fixiert.

Mit dem FineLine Tape werden nun die Metallkanten abgeklebt. Bei bereits lackierten Deckeln kann man sich leicht an den vorhandenen Lackkanten orientieren, bei unlackierten Deckeln empfiehlt es sich, die Kehlen mit dem Zirkel vorsichtig anzureißen, da man sonst garantiert keine gleichmäßigen Rundungen hinbekommt.

Abkleben und Lackieren des Außenkreises

Man beginnt mit der äußersten Kante und klebt zunächst eine Bahn rundherum entlang der Lackkante bzw. des Anrisses. Anschließend setzt man parallel eine weitere Bahn außen an. Auf diesen breiten Streifen kann man nun die Außenschablone problemlos mit Tesakrepp befestigen.
Nun wird die äußere Lackkante des Sterns mit dem Tape abgeklebt. Auch hier setzt man anschließend eine parallele Bahn innenseitig an. Die Sternabdeckschablone kann nun ebenfalls mit Tesakrepp problemlos fixiert werden.
Jetzt kann die Lackfläche außerhalb des Sterns bearbeitet und (in mehreren dünnen Schichten, das vermeidet Nasen und Orangenhaut) lackiert werden. Beim Anschleifen darauf achten, daß die Kanten des Klebebands nicht beschädigt

 

Abkleben und Lackieren der Sternfläche

Nach einer angemessenen Trockenzeit werden zunächst die Sternabdeckung und die Tapes, die den Sternring abdecken, vorsichtig entfernt.
Der Sternkreis wird nun zur Innenkante hin neu abgeklebt, wieder ein Tapestreifen angesetzt (diesmal von außen) und die zweite große Schablone wieder mit Tesaband angesetzt.
Der Stern läßt sich problemlos mit dem Tape abdecken, überstehendes Tape läßt sich mit einem scharfen Messer kantenscharf wegschneiden. Man achte darauf, daß die Seitenkanten des Sterns nicht gerade, sondern leicht konvex sind!
Nun können die Lackflächen innerhalb des Sterns bearbeitet und lackiert werden.
Nach Abtrocknen der letzten Lackschicht werden die Tapestreifen   vorsichtig entfernt; mit einer Kreditkarte o.ä. sollte man die Abreißkante zum Lack  sichern, damit beim Abziehen nicht Lackstreifen mit abgezogen werden - die Aluflächen sind sehr glatt!
Nun kann der fertige Raddeckel  bestaunt werden; solange man eine halbwegs ruhige Hand und keinen allzu großen Knick in der Optik hat, wird das Ergebnis immer überzeugend ausfallen.
Viel Erfolg bei dieser schönen Winterarbeit

 

 

 
 

Für die Richtigkeit der Angaben und Vorgehensweisen wird keine Gewähr geleistet. Wer nach diesem Erfahrungsbericht Reparaturen durchführt, handelt eigenverantwortlich.

 

 

© Karl-Ludwig Kusche

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